Die verschiedenen Phasen der Trauer

Der Tod eines nahegelegenen Menschen verändert das Leben von einer auf die andere Stunde und ist eines der schlimmsten Erlebnisse in ihrem Leben. Die Hinterbliebenen müssen nebst Organisatorischem nach der Bestattung auch noch mit einer veränderten täglichen und oft auch finanziellen Situation zu recht kommen. Auch ihr Körper, ihr Fühlen und ihr Denken, ja sogar ihr ganzes Wesen, kann sich verändern. Es gibt viele Situationen wo man sich fragt, ob man noch normal ist, Angst hat „verrückt“ zu werden, weil man sich so nicht kennt und nichts mehr einordnen kann.

Es ist hilfreich zu wissen, dass es Gefühle und Symptome gibt, die praktisch alle Trauernden erfahren. Es gibt aber keinen geordneten Ablauf und vorhersehbarer Prozess. Jeder einzelne Trauerprozess ist letztendlich anders und individuell.

Die 4 Trauerphasen nach Elisabeth Kübler-Ross ergänzt durch meine eigenen Erfahrungen.


Phase 1 – nicht wahrhaben wollen

Leugnen

In der Schockphase wollen die Hinterbliebenen meist den Verlust nicht Wahrhaben. Das Leben ohne die Verstorbenen bedeutet für sie eine Zukunft in Einsamkeit, Leid und Schmerz. Das Leugnen gibt ihnen vorübergehend Schutz, bis man soweit ist, dass man sich dem Verlust stellen kann. Auf der einen Ebene weiss man, dass eine nahestehende Person verstorben ist, aber auf der anderen Ebene, ist man noch nicht bereit dies zu akzeptieren.

Phase 2 – aufbrechende Emotionen


Trauerbewältigung
In dieser Phase spüren die Trauernden den vollen Schmerz, der Körper gerät aus dem Gleichgewicht und das Leben „Draussen“ erscheint wie in einem Film. Dies ist die schmerz-lichste und schwierigste Phase der Trauerbewältigung.

Schuldgefühle
Hier beschäftigen uns quälende Fragen wie „warum habe ich nicht….? hätte ich doch nur……? was wäre wenn…. ?
Sich Selbstvorwürfe zu machen ist manchmal leichter, als zu akzeptieren, das der Tod ein Teil des Lebens ist. Vorwiegend bei Todesfällen mit Ausseneinwirkung (Schuld durch Dritte) wie Autounfall, Flugzeugabsturz etc. kann es lange dauern, bis man mit sich oder den Personen die den Tod verursacht haben, Frieden schliessen kann.

Wut/Zorn
Die Wut kann sich gegen seine eigene Hilflosigkeit oder auch gegen die Verstorbenen richten „Warum hast Du mich verlassen“……? “alleine gelassen“……? Wut zu unterdrücken kann zu Depressionen führen. Trauernde sollten ihre Wut auf gesunde Weise äussern wie z.B. darüber sprechen, schreiben, auf ein Kissen einschlagen kann sehr lösend sein oder die Wut in Bewegungsenergie umsetzen wie u.a. sportliche Aktivitäten.   

Angst
Ängste jeglicher Art sind ein normaler Bestandteil des Trauerprozesses. Der Tod ist all-
gegenwärtig in Ihrem Bewusstsein und alle Gefahren der Welt scheinen über uns herein-zubrechen. Man hört und sieht nur noch, wie und auf welche Weise man sterben kann und reagiert höchst sensibel auf solche Botschaften. Zudem kommt dazu, dass man Angst haben kann, sich dieselbe  Krankheit zuzuziehen, an der ihre Lieben verstorben sind. Oder haben Angst in ein Auto, Flugzeug etc. zu steigen, weil ihre Lieben damit ums Leben gekommen sind. 

In dieser Phase stösst man bei Freunden und Bekannten oft auf Unverständnis durch gutgemeinte Ratschläge wie

•    „Es kommt schon wieder besser“
•    „Die Zeit heilt alle Wunden“
•    „Das Leben geht weiter.“

Man fühlt sich dadurch nicht verstanden, ausgegrenzt und isoliert und entwickelt das Gefühl nicht dazuzugehören.

Überforderung
Nach der ersten Überflutung von aufbrechenden Emotionen

Desorganisation und der Angst „nicht mehr normal zu sein“ (von niemanden mehr ver-standen zu werden) zieht man sich von Freunden und Bekannten zurück und kann dadurch in ein „psychisches Loch“ fallen. In dieser Phase werden wir besonders gefordert, da alle etwas von uns wollen. Behörden, Steueramt, Banken, Versicherungen, Arbeitgeber etc. Es kann sein, dass man sich nicht mehr in der Lage fühlt Entscheidungen zu treffen und ein-fache administrative und andere Arbeiten zu erledigen, geschweige denn, sich permanent erklären zu müssen. Alle Aktivitäten welche zuvor Freude bereiteten, werden unter Umstän-den zum „Muss“ oder man verliert das Interesse dafür. Vergangenes kann uns unter Umständen einholen und nicht geklärtes vor dem Tod kann zu einem unüberwindbaren Berg werden. All diese Faktoren können zur Überforderung führen. Man kann in diesem Zustand auch nicht mehr fähig sein, sich zu organisieren.

Phase 3 – suchen und sich trennen

In dieser Phase drehen sich bei den meisten Trauernden die Gedanken permanent um den erlittenen Verlust oder Schicksalsschlag. Die Hinterbliebenen ziehen sich aus dem Alltag zurück, um sich ganz dem eigenen Leid widmen zu können. Dabei kann es zu Verklärungen der Vergangenheit kommen.

Suchen
Bei jeden Verlust reagiert man mit suchen – das gemeinsame Leben, gemeinsame Orte der Erinnerung

Gewohnheiten der Verstorbenen können übernommen werden und man sucht den Kontakt zum geliebten Menschen in Form von Ritualen, das mitdecken des Tisches für den Toten, Tagträume oder ähnliches. Aus dieser Suche kann aber oft eine tiefe Verzweiflung ent-stehen, zu mächtig ist noch der Schmerz und die Dunkelheit. Suizidale Gedanken sind in dieser Phase relativ häufig.

sich trennen
Umsomehr gefunden wird, in der Zeit des „Suchens“, was weitergegeben werden kann, umso leichter fällt eine Trennung zum geliebten Verstorbenen. In dieser intensiven Phase des „Suchens“ und wieder „Trennens“ kommt der Augenblick, wo der Trauernde bewusst entscheidet weiter zu leben und ja zum Leben zu sagen. Man kann aber auch in der Trauer verharren. Diese Phase kann Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern.

Phase 4 – neuer Selbst- und Weltbezug

In dieser Phase öffnen sich die Trauernden wieder der Umwelt und gehen mit ungewohnter Offenheit auf neue Menschen und Situationen zu. Die Phase kann aber auch von Wider-sprüchen geprägt sein. Auf der einen Seite möchte man das Leben wieder intensiver und offener gestalten, anderseits plagen die Trauernden Ängste vor neuen Enttäuschungen und den damit verbundenen Trauerzuständen.

Annehmen
Nach grosser Verzweiflung, Schmerz und vielen Kämpfen akzeptieren Trauernde schliesslich die Realität des Todes eines geliebten Menschen. Es kehrt allmählich Frieden und Ruhe in die Seele zurück. Der geliebte Verstorbene hat dort seinen Platz gefunden. Der Trauerpro-zess hat Spuren hinterlassen und durch das Erlebte kann sich die Einstellung zum Leben völlig verändern. Der Heilungsprozess kann beginnen. Langsam kann man erkennen dass das Leben weitergeht und dass man dafür verantwortlich ist. Es können sich neue Möglich-keiten eröffnen und es gibt neue Hoffnung. Man kann auch wieder an die Verstorbenen denken, ohne von Traurigkeit überwältigt zu werden.

Nach dem Verlust eines geliebten Menschen wenden sich viele neuen Interessegebieten zu wie zum Beispiel wohltätige oder soziale Arbeiten und werden bewusster und auch dank-barer für ihr Leben, ihre Gesundheit und das Leben ihrer Lieben.