Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben. (Cicely Saunders)

Gedanken & Impulse

Als Wegbegleiterin im Übergang vom Leben in den Tod begegne ich Menschen in ihrem wohl einschneidendsten Moment. Manches bleibt dabei bewusst ungesagt, will im Innern stattfinden und nicht nach aussen getragen werden. Vieles will auch geteilt und «hinterlassen» werden. In meinem Tagebuch nehme ich Sie mit auf meine ganz persönliche Reise von Erinnerungen und Erfahrungen. Ich teile mit Ihnen meine Gedanken sowie ganz Persönliches und Wissenswertes rund um das Thema Leben und Sterben. 

*Wir erinnern uns an Sie*

30.05.2022
Beim Wehen des Windes
und in der Kälte des Winters
erinnern wir uns an sie;

Beim Öffnen der Knospen
und in der Wärme des Sommers
erinnern wir uns an sie;

Beim Rauschen der Blätter
und in der Schönheit des Herbstes
erinnern wir uns an sie;

Zu Beginn des Jahres
und wenn das Jahr zu Ende geht
erinnern wir uns an sie;

Wenn wir müde sind
und Kraft brauchen
erinnern wir uns an sie;

Wenn wir verloren sind
und krank in unserem Herzen
erinnern wir uns an sie;

Wenn wir Freude erleben,
die wir so gerne teilen würden,
erinnern wir und an sie;

Solange wir leben, werden auch sie leben,
denn sie sind nun ein Teil von uns,
wenn wir uns an sie erinnern!

Jüdisches Gebet

*Über die Zeit*

15.04.2022
Wie kommt es, dass es Momente gibt, in denen die Zeit wie im Flug zu vergehen scheint und in anderen Momenten scheint die Zeit beinah still zu stehn. Objektiv betrachtet bleibt die Zeit immer gleich. Eine Stunde ist immer eine Stunde. Heute, gestern, morgen. Wie wir die Zeit füllen und vor allem wie wir uns in diesen Momenten fühlen, das lässt uns die Zeit anders erleben. Ich erinner mich noch genau, wie ich als Kind sehnsüchtig auf den nächsten Geburstag oder Weihnachten gewartet habe. Die Zeit bis dahin schien kaum zu vergehen. Dann später, in der Schule, wartete ich auf die Ferien und darauf, endlich erwachsen zu werden. Dei Zeit verging oft sehr langsam. Kurz waren die Nächte als die KInder kamen, endlos lang schien das Warten wenn sie später des Nachts ausflogen. Je älter ich wurde, um so schneller schien plötzlich die Zeit zu vergehen. Hab ich noch genug Zeit? Zeit um all meine Pläne und Visionen umzusetzen? Hab ich Zeit meine Enkelkinder kennen zu lernen und mit meinem Partner alt zu werden? Plötzlich schien die Zeit eine ander Dimension, eine ganz andere Bedeutung zu bekommen. Alice im Wunderland hat am Ende im Wettlauf gegen die Zeit eine wundervolle Einsicht. «ich habe immer gedacht die Zeit wäre ein Dieb, der mir alles stiehlt was ich liebe. Aber jetzt weiss ich, dass sie gibt bevor sie nimmt. Jeder Tag ist ein Geschenk. Jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde. Anstatt uns so oft zu fragen wieviel Zeit bleibt mir noch, sollten wir uns vielleicht öfter fragen: was kann ich mit der mir geschenkten Zeit noch tun? Wie kann ich sie so füllen und fühlen, so dass ich am Ende meiner Zeit sagen kann: sie war gut die Zeit. Ich bereue nichts.

*Die Kunst der Pausen*

31.03.2022
Sich erholen, inne halten, neue Kraft schöpfen - Pausen zu machen liegt in unserer Natur. Der Körper und der Geist brauchen Ruhe um sich von Belastungen zu erholen. Meine letzten Wochen waren geprägt von Abschied, Aufbruch und Neubeginn. Pausen hab ich mir momenteweise gegönnt. Viel war abzuschliessen bevor ich mit dem Blick nach Vorne in einen neuen Lebensabschnitt ging. Gerade dann aber, wenn das Leben viel von Einem fordert, man immer emsiger und schneller wird, gerade dann ist es wichtig eine Pause einzulegen. Wenn ich mir bewusst eine Auszeit nehme, vom Tun in das Sein komme, bin ich achtsam, nehme ich meine Grenzen wahr und erlebe in all dem Tun auch gleichzeitig die Qualität der Freude und Entspannung. Ich gebe zu, es klingt einfacher als es ist. Wichtig für mich: jeder noch so kleine Moment, in dem ich mir Zeit für das Sein nehme, lässt mich neben all den Aufgaben auch teilhaben am Leben und der Freude. Ich bleibe im Gleichgewicht.
Fazit: wenn ich langfristig leistungsfähig und gesund bleiben möchte, ist es notwendig, eine gute Balance zwischen Tun und Sein zu finden. Mir bewusst Pausen zu gönnen, ist ein guter Schritt in diese Richtung. 

*Die Kraft des Schreibens*

22.02.2022
«Verfasserin des Artikels Marlis Lamers»
Ich lernte Carolin auf der Palliativstation, auf der ich im Praktikum war kennen. Sie war eine bildhübsche, gerade 40jährige Frau mit einem metastasierendem Brustkrebs - unheilbar. Die Zeit des Haderns und der Wut wegen ihrer Krankheit waren vorbei. Sie wollte in Frieden Abschied nehmen und die Zeit, die noch blieb, so angenehm wie möglich erleben.
Dennoch schaute sie traurig auf ihr Leben zurück. Sie meinte, es gäbe nichts, was es Wert wäre erinnert zu werden. Was habe sie dann schon besonderes erlebt? Nach der Schule machte sie eine Ausbildung zur Kauffrau, zog in eine kleine gemütliche Wohnung, schaffte sich einen quirligen Hund an und reiste viel und gerne. Ihr Verhältnis zu Männern war eher schwierig, so dass sie keinen Partner fand. Das Bild, dass sie mir von ihrem Leben in Worten malte, war duster und schwer.

«Erlebnisse nach dem ABC» Sie erzählte mir, dass sie aus jedem ihrer Urlaubsorte Ansichtskarten an Daheimgebliebene geschrieben hatte. Das brachte mich auf die Idee. Ich machte ihr den Vorschlag, auf ein Blatt Papier das gesamte Alphabet untereinander zu schreiben; von A bis Z. Nun fragte ich sie, welcher Urlaubsort, welcher ihrer bereisten Städte, ihr denn zum ersten Buchstaben einfiele? Sofort hellte sich ihr Gesicht auf und sie nannte die Stadt Aachen (in Deutschland). Dort erinnerte sie sich an leckere Printen, ein typisches Gebäck ähnlich dem Lebkuchen. Sie habe ihren Eltern ein kleines Päckchen dieser Köstlichkeit mitgebracht. Leider habe der Hund ihrer Eltern das Päckchen gefunden und verschlungen. Was für eine Aufregung! Für sich selber habe sie einen grossen Printenkerl gekauft, der immer noch an der Wand in ihrem Flur hing und sie mit schwarzen Knopfaugen anlächle. So sei sie eben doch nicht ganz "unbemannt".

«Schreiben verändert» Über die Tage ihres Aufenthaltes auf der Station füllte sie die ganze Liste mit Städten und dazugehörigen Geschichten aus. Es war eine solche Freude, sie mit hochroten Wangen vor Begeisterung, im Bett sitzend und in ihren Erinnerungen schwelgend, zu erleben. Wir haben viel miteinander über die kleinen Anekdoten gelacht. Und manches, schon Vergessenes, kam wieder an die Oberfläche. Plötzlich erkannte sie, wie reich ihr Leben zwar nicht an Jahren, aber an schönen Erinnerungen war. Sie spürte Fülle statt Mangel.

Als sie verstorben war, fanden die Eltern ihre ABC-Liste bei ihren Sachen. Gibt es ein schöneres Geschenk, als die freudvollen Erinnerungen eines Kindes? Ein echter Nachlass; denn Carolin erzählte dort von ihren wundervollen Erlebnissen aus ihrem kurzen Leben. Erlebnisse, die die Eltern teilweise gar nicht kannten.

Du möchtest auch schreiben? Solche und ähnliche Schreibideen lernst du in meinem Onlinekurs zum selbstwirksamen Schreiben kennen. Du kannst Schreibanlässe für Dich, oder für Menschen, die du begleitest nutzen um Klarheit zu finden, Perspektiven zu wechseln, Prozesse anzustossen oder Erinnerungen zu schaffen. Schreiben strukturiert das Denken und hilft dabei, den Kopf aufzuräumen.
«Marlis Lamers - die Gefühlsdolmetscherin»

*Was wir säen bleibt*

07.02.2022
Der libanesische Dichter Khalil Gibran ist der moderne Nachfolger der grossen islamischen Mystiker - Poeten aus der Zeit der Kalifen.
Wunderbar zeitlos spendet er Trost mit seinen Gedanken und lässt uns hoffen, dass wir in unserer Endlichkeit unendlich sind...
«Wenn dir jemand erzählt, dass die Seele mit dem Körper zusammen vergeht und dass das, was einmal tot ist, niemals wieder kommt, so sage ihm:
Die Blume geht zugrunde aber der Samen bleibt zurück. Er liegt vor uns, geheimnisvoll wie die Ewigkeit des Lebens.».

*Am seidenen Faden*

20.01.2022
Wenn etwas am seidenen Faden hängt, dann ist etwas in Gefahr. Wir benutzen diese Redewendung auch, wenn unser Leben bedroht ist. Durch Krankheit, eine Erschütterung, ein plötzliches Geschehen, das uns die Sicherheit nimmt, alles im Griff, unter Kontrolle zu haben. In welche Richtung das Leben in diesem Moment weiter geht, in der uns gewohnten Form, das wissen wir nicht. In dem Raum der Unsicherheit, des Überganges, können wir eine Entscheidung treffen. Wir können den Moment (mit)gestalten, und uns von dem, was kommen mag überraschen lassen. In einer Haltung, die alles, was geschieht, genau so annimmt. Selbst dann, wenn es unser physisches Ende bedeuten mag. Eine wirklich herausfordernde Übung. Vielleicht sogar eine der Wichtigsten im menschlichen Da Sein?

*Frau Holle*

30.12.2021 
Wenn man weit genug zurückgeht, findet man die Ursprünge sämtlicher Märchen in den Überlieferungen und Sagen der antiken Völker - Kelten, Germanen, aber auch Römer und Griechen. Was ursprünglich von Barden erzählt und gesungen wurde, ging dann von Generation zu Generation, von Großeltern und Eltern auf die Kinder, bis Gelehrten wie die Gebrüder Grimm und andere die Überlieferungen recherchiert und aufgezeichnet haben.

Frau Holle ist der Welt der Myhten und Sage vermutlich am Nächsten. Die archaische Erdgöttin kann es schneien lassen, und hat je nach Jahrezeit ihren Platz im Himmel, auf dem Berg oder unter der Erde. Im Frühling ist Frau Holle für neues Leben zuständig, im Sommer für die Sicherung des Weiterlebens und im Herbst ist sie auch noch die schwarze Göttin des Todes. Wer in das Reich von Frau Holle kommt, hat die Möglichkeit, sein Schicksal zu formen. Bevor Goldmarie und Pechmarie, die beiden Schwestern im Märchen, bei Frau Holle ankommen, müssen sie so manche Aufgabe lösen. Äpfel vom übervollen Baum schütteln, das Brot vorm Verbrennen aus dem Ofen holen und eine Kuh mit übervollem Euter melken. Alles was die beiden Schwestern tun sollen, ist voll von mythologischer Symbolik. Es sind Prüfungen der Göttin und insofern sind Äpfel, Brot und Kuh so etwas wie eine Zwischenstation im ewigen Kreislauf des Lebens. Wenn die Mädchen bei Frau Holle angekommen sind, dann sind sie bereits einen langen Weg gegangen - den Totenweg. Vielleicht werden deshalb Verstorbene oft auch mit Schuhwerk bestattet?

*Für Susanne*

14.12.2021 - Ich denk an Dich.
Heute hab ich dir eine Nachricht geschickt. Lange hab ich mich nicht gemeldet, auch nichts von dir gehört. Wir waren Arbeitskolleginnen; für kurze Zeit auf einer neurologischen Abteilung im KH Hietzing. Es war nicht schwer mit dir in Kontakt zu kommen. Interessiert, neugierig, kommunikativ - so hab ich dich erlebt. Lange nach dieser Zeit, hast du mir geschrieben und mich um Rat gefragt. Wir haben uns ausgetauscht, du hast mir von deiner Erkrankung erzählt. Voller Pläne und Wünsche an dieses Leben und der unbändigen Kraft diese Erkrankung zu überleben. Eine Löwin, sehr verletzlich zugleich. Heute hab ich gelesen, dass du bereits im Februar dieses Jahres verstorben bist. Dein Lebenszyklus ist zu Ende gegangen. Deine Tochter Melanie hat mit den Zeilen: Wasser erstarrt zu Eis, den immerwährenden Kreislauf von leben und sterben auf eine sehr versöhnliche und tröstende Art beschrieben. Danke dafür!

„Wasser erstarrt zu Eis.
Eis schmilzt zu Wasser.
Was geboren ist, stirbt wieder,
Was gestorben ist, lebt wieder.
Wasser und Eis sind letztendlich eins.
Leben und Tod, beides ist gut so.“

*Lebenskreise*

01.12.2021
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn. Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn. Ich kreise um Gott, um den uralten Turm, und ich kreise jahrtausendelang; und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang (Rainer Maria Rilke). Wo wir hingehen, was uns erwartet, das wissen wir nicht. Dem Leben in seinen Bewegungen zu begegnen heisst auch, neugierig und offen zu bleiben um dann all das anzunehmen, was wir nicht verändern und entscheiden können.

*Humor ist, wenn man trotzdem lacht*

15.12.2021
Humor ist die Fähigkeit, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind.
Was bleibt uns Menschen schon anderes übrig, als die Tatsache, dass wir endlich sind, anzunehmen? Je eher wir das tun, umso mehr können wir das Leben vielleicht in vollen Zügen geniessen und öfter mal über uns und die Gegebenheiten lachen?

*Hurra, wir leben noch*

01.12.2021
Wenn ich mit meiner Mutter telefoniere, sie wird im kommenden Februar achtzig Jahre alt, gibt es einen Satz, der sich in letzter Zeit in unseren Gesprächen wiederholt: «Hurra, wir leben noch». Ich entnehme dieser Botschaft einerseits eine Sehnsucht nach dem Leben und anderseits ein inneres Wissen, dass das Leben in seiner Endlichkeit immer näher rückt. Oft braucht es im Dialog Metaphern, da es uns schwer fällt die Dinge konkret beim Namen zu nennen. Ist es Angst oder Wehmut? Schmerz und Freude zugleich? Wer weiss das schon. Vielleicht ist es einfach der Wunsch nach wie alt ich auch bin: ich leben noch!

*Im Sterben leben*

15.11.2021
«Ich habe nichts dagegen zu sterben. Aber nicht gleich morgen. Da gibt es allerlei, was ich noch erleben möchte».
Wenn uns bewusst wird, dass wir sterben, dann möchten wir in erster Linie leben. Alltägliches erscheint uns wundervoll. Ich bin da. Ich spüre, ich lache, ich weine. Ich möchte jeden Moment erleben und geniessen. Man muss leben, damit man sich mit dem Tod anfreundet, meinte mal Pipi Langstrumpf. Ich glaube, sie hatte recht. Vielleicht geht es im Sterben in erster Linie immer auch noch darum zu leben?

*Wenn ich sterbe*

09.10.2021
Dann wünsche ich mir, dass mich Menschen begleiten, die mir nahe und vertraut sind. In meinem gewohnten Umfeld zu sein und je nach Situation entscheiden zu können, ob ich mich zurückziehen oder in der Gemeinschaft sein möchte, ist mir wichtig. Überhaupt ist es mir sehr wichtig, dass mein Gefühl für Freiheit und Selbstbestimmung geachtet wird. Wenn ich nicht mehr in der Lage bin, mich verbal zu äussern, dann freue ich mich über achtsame und langsame Begegnungen und Berührungen. Gerne darf man mir sagen, was man mit mir vorhat auch wenn es den Anschein hat, dass ich es nicht verstehe. Sollte es für mein Umfeld sehr schwierig werden, dann möchte ich gerne in einem Hospiz oder einer kleinen Pflegeeinrichtung das Ende meines Lebens verbringen. Die Pflegenden dort sollen wissen, wie man mit Symptomen am Ende des Lebens umgeht und mich so begleiten, dass die  Fürsorgepflicht gegenüber meiner Autonomie immer gut abgewogen werden. Es ist nicht notwendig, dass ich jeden Tag von Kopf bis Fuss gewaschen werde. Gepflegt aussehen, ja das möchte ich. Sollte ich unruhig sein und meine Kleider immer wieder ausziehen oder sogar immer wieder vom Bett aufstehen wollen, dann lasst das bitte zu. Auch wenn ich weiss, wie anstrengend das für Pflegepersonen ist. Für mich und meinen Prozess ist das sicher wichtig und notwendig. Wenn ihr mich nicht beruhigen könnt, dann versucht es doch mit Summen oder dem Anschlagen einer Klangschale. Wenn ihr es gut meint mit mir und mich mit Düften beruhigen wollt, dann nehmt doch bitte etwas von Orange, Mandarine, auch ein wenig Zitrone. Und ja, Tonkabohne und Kakao mag ich auch sehr gern. Ich habe ein grosses Schamgefühl und bitte darum, achtsam damit umzugehen. Ich bitte auch darum, dass bei Pflegeverrichtungen nicht so getan wird, als ob ich nicht da sei. Auch wenn ich vielleicht nicht mehr kontaktierbar oder ansprechbar bin. Ich bitte darum, achtsam zu sein und mich miteinzubeziehen. Vielleicht finden es die Pflegenden eigenartig, wie meine Familie, mein Umfeld mit mir und dem Sterben umgeht. Bedenkt, dass diese Familie eine Geschichte miteinander hat und es gut ist, wenn Sie lachen, laut sind und überhaupt so tun, wie sie tun. Sie machen es genau so wie sie es können und für richtig halten. Und, sie kennen mich und wissen vermutlich ganz gut, was richtig ist in diesem Moment. Vertraut ihnen also.

Wenn ich verstorben bin, dann möchte ich, dass man mich nicht sofort anzieht und zurechtmacht. Gebt meiner Seele und den Menschen, die von mir Abschied nehmen wollen Zeit. Es ist mir nicht wichtig, was ich angezogen bekomme. Meine Angehörigen dürfen dabei frei entscheiden. Wenn sie sich nicht entscheiden können, dann nehmt ein weisses Totenhemd oder einfach das, was da ist. Legt mir Kräuter auf mein Bett und Rosenblüten. Und einen Stein in meine Hand. Gerne darf geräuchert werden. Eine Mischung, die beruhigt und das Abschied nehmen erleichtert. Wenn Trommeln und Klänge meine Seele begleiten, freut mich das sehr. Vielleicht möchte auch gesungen werden. Jedenfalls möchte ich, dass alle Emotionen und Impulse meiner Nächsten Platz haben und ernst genommen werden.

Wenn es Zeit ist, von mir ganz und gar Abschied zu nehmen, dann möchte ich verbrannt werden. Meine Urne (eine Urne, die sich nach kurzer Zeit in der Erde zersetzt) soll einen Platz auf einem Friedhof finden. Damit die Menschen einen Ort haben, um zu trauern und sich zu erinnern. Gerne kann es auch ein Friedwald sein. Ganz in der Verbundenheit mit der Natur, in dem natürlichen Zyklus meinen Platz einnehmen, das würde mich freuen. An dem Ort meiner Bestattung soll eine Hagebutte oder Heckenrose gepflanzt werden. Auf einem Naturstein soll mein Name (auch mein Geburtsname) und mein Geburts- und Sterbedatum stehen. Auch die folgenden Worte sollen auf diesem Stein Platz finden:

«Weinet nicht, dass ich nicht mehr bin. 

Freuet euch, dass das Leben mich gehabt hat.»

Ich wünsche mir, dass mein letztes Fest auch ein fröhliches, geselliges sein mag. Erinnert euch an mich und freut euch, dass es mich gegeben hat. Die Erinnerung ist unsterblich, sie gibt Trost und Kraft. Zu einem Fest gehören Speis, Trank und Musik. Ich habe Momente der Gemeinsakeit genossen und ich freue ich mich, wenn es an meinem letzten Fest ein gemeinsames einfaches Essen gibt. Was ich Euch sagen möchte: schön, hab ich Euch alle gekannt und sind wir gemeinsam in diesem Leben unterwegs gewesen. Ich wünsche Euch, dass ihr das Leben als Geschenk sehen und jeden Moment so erleben könnt, als wäre es euer letzter Moment hier auf dieser irdischen Welt.
In Verbundenheit, Brigitte.

*Spiritualität & Sinn*

14.10.2021
Um spirituell zu sein, muss man an keinen Gott glauben. Vielmehr ist Spiritualität das, was alle Religionen miteinander verbindet oder auch, was uns «heilig» ist. Spiritualität ist der Schlüssel für Veränderung, für mehr Bewusstsein ist besonders und gibt uns Sinn. Gerade am Lebensende ist die Sinn- und Wertefrage oft auch sehr zentral. Wir fragen uns: Wofür habe ich gelebt? Was bereue ich? Wofür bin ich dankbar? Welche Spuren hinterlasse ich in dieser Welt? Hab ich mir Zeit genommen für das, was mir wirklich wert und wichtig war?

Es können auch Fragen aufkommen, die religiöser Natur sind. So zum Beispiel, ob es ein Leben nach dem Tod gibt. Ob man leiden muss oder für etwas bestraft wird. Ob man von verstorbenen Verwandten oder von Gott empfangen wird.

Echte Spiritualität findet dann statt, wenn man tief in die eigene Seele eintaucht und sich dabei einige Fragen zu beantworten versucht. Das kann sehr befreiend wirken auf das Leben wie auch das Sterben. Gelebte Spiritualiät heisst für mich, meinen Platz im Leben zu finden und mir und meinen besonderen Fähigkeiten damit Ausdruck zu geben. Spiritualität heisst, mich verbunden und als Teil des grossen Ganzen zu sehen. Als solches trage ich auch Sorge für meine Mitmenschen, alle Lebewesen und die Welt. Was bedeutet Spiritualität für dich?

*Dankbarkeit & Freude*

01.10.2021
Dankbarkeit ist eine Haltung, die sich positiv auf unser Leben auswirken kann. Je dankbarer wir sind, umso mehr Freude können wir erleben.
Wir haben allen Grund, Freude und Dankbarkeit zu empfinden, wenn wir die Möglichkeiten betrachten, die sich uns täglich bieten. Oft sind es die sehr selbstverständlichen Dinge – das Wunder des Atems zum Beispiel. Ich lebe und mein Körper arbeitet ganz selbständig für mich. Bewusst wird uns das leider oft erst, wenn etwas nicht mehr funktioniert. Der Mensch schätzt  «etwas» erst, wenn es plötzlich nicht mehr da ist. Wenn Krankheit und Ungleichgewicht unser Leben bestimmen. Wenn dann in genau solchen Situationen unsere Gedanken auch dankbar sein können, kann sich das positiv auf die Heilung, das Heilwerden auswirken.